Skipnavigation

Navigation

Weimarer Republik (1918-1933)

Annahme der Locarno-Verträge durch den Reichstag

Kalender 27. November 1925

Schweiz, Locarno.- Vertrag von Locarno, Vertreter der Großmächte bei Besprechung.- vlnr: Gustav Stresemann, Joseph Austen Chamberlain, Aristide Briand; 5.-16. Oktober 1925

Nachdem vor allem Frankreichs wirtschaftliche Forderungen im Rahmen des Dawes-Plans erfüllt worden waren, galt es nun auch eine Lösung für die sicherheitspolitischen Fragen auf dem europäischen Kontinent zu finden. Die treibenden Kräfte hinter diesen Bemühungen waren der deutsche Außenminister Gustav Stresemann und sein französischer Amtskollege Aristide Briand. Stresemann wollte auf eine Normalisierung des Verhältnisses zu Frankreich hinwirken. Er hatte erkannt, dass andernfalls auch keine Entspannung in den Beziehungen zu den übrigen Westmächten zu erwarten war.

So fand zwischen dem 5. und dem 16. Oktober 1925 die Konferenz von Locarno statt. An dieser internationalen Konferenz zu europäischen Sicherheitsfragen beteiligten sich Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, Belgien, Polen und die Tschechoslowakei. Insgesamt wurden in Locarno sieben völkerrechtliche Verträge ausgehandelt.

Im sogenannten Garantievertrag erkannte Deutschland seine im Versailler Vertrag festgelegte Westgrenze an und akzeptierte die Entmilitarisierung des Rheinlandes. Ein gegenseitiger Gewaltverzicht zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien sollte die "Unverletzlichkeit" der Grenzen gemäß Versailler Vertrag garantieren. Großbritannien und Italien übernahmen die Garantie, im Falle einer Vertragsverletzung der geschädigten Partei zu Hilfe zu kommen.

Zusätzlich wurden zwei Schiedsverträge geschlossen, die regelten, dass alle Streitfragen durch Schiedsverfahren vor einer internationalen Kommission geregelt werden sollten. Die Verträge, die am 1. Dezember 1925 in London unterschrieben wurden, stellten damit einen entscheidenden Schritt zur Friedenssicherung in Europa dar und bedeuteten einen Ausbruch aus der außenpolitischen Isolation für die Weimarer Republik. Auf der Konferenz wurde außerdem der Grundstein für eine Mitgliedschaft des Deutschen Reiches im Völkerbund gelegt.

Auf nationaler Ebene wurden die Verträge von Locarno nicht nur positiv aufgenommen. Sowohl rechte Kräfte (DNVP, NSDAP) als auch linke Kräfte (KPD) kritisierten die Verträge. Die rechten Gruppierungen waren dabei gegen die Aufgabe von Gebieten im Westen. Die linken Kräfte dagegen fürchteten eine Union kapitalistischer Länder gegen die Sowjetunion. Nachdem die DNVP aus der Regierung ausgetreten war, konnten die Verträge von Locarno am 27. November 1925 nur mithilfe der oppositionellen SPD ratifiziert werden. Als Folge dieser Krise trat die Regierung am 5. Dezember 1925 zurück.