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Mord an Walther Rathenau

Kalender 24. Juni 1922

Staatsakt für Außenminister Walther Rathenau (Aufbahrung des Sargs im Reichstag vor der Beisetzung ) [ 27. Juni 1922]

Walther Rathenau war Reichsaußenminister im Kabinett Wirth II sowie Mitglied und Mitgründer der Deutschen Demokratischen Partei (DDP).
Der Sohn des deutsch-jüdischen AEG-Gründers Emil Rathenau galt seit seiner Mitarbeit im Kriegsministerium während des Ersten Weltkriegs als einer der führenden politischen Wirtschaftssachverständigen. Als Außenminister schloss er 1922 den Vertrag von Rapallo mit Sowjetrussland.

Vor allem seine Beraterfunktion bei den Reparationsverhandlungen im Zuge des Versailler Vertrages brachte dem liberalen Politiker trotz offener inhaltlicher Proteste, wie sein Rücktritt als Reichsminister für Wiederaufbau 1921 als Protest gegen alliierte Forderungen, den Ruf eines von den Alliierten gesteuerten „Erfüllungspolitikers“ der Weimarer Regierung ein.
Rathenau war seit langem Zielscheibe einer bösartigen und antisemitischen Hetze.

Mitglieder der „Organisation Consul“ erschossen ihn auf dem Weg von seiner Berliner Wohnung ins Ministerium. Seine Ermordung war Teil einer Anschlagsserie der rechtsterroristischen Organisation. Auch der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger fiel dieser 1921 zum Opfer. 1922 entkam Philipp Scheidemann nur knapp einem Mordanschlag.

Das Rathenau-Attentat löste neben einem 24-stündigen Protest- und Warnstreik der Gewerkschaften deutschlandweite Massendemonstrationen unter Demokratieanhängern aus.
Im Reichstag sorgte die Todesnachricht des Kabinettsmitgliedes unmittelbar für Tumulte. Reichskanzler Joseph Wirth hielt eine Aufsehen erregende Gedenkrede mit dem Schlusssatz: „Da steht der Feind, der sein Gift in die Wunden eines Volkes träufelt. – Da steht der Feind – und darüber ist kein Zweifel: dieser Feind steht rechts!“

Auf politischer Ebene beschleunigte das Geschehen den Weg zum „Gesetz zum Schutze der Republik“ 1922. Unterlagen zu diesem Gesetz sind im Bundesarchiv insbesondere in den Beständen R 43 I Reichskanzlei und R 1501 Reichsministerium des Innern überliefert.