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Wahlen in der Weimarer Republik: Vom Aufbruch in die Demokratie zum Faschismus

Ein Marathon für die wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger

  • Weimarer Republik (1918-1933)

Die Zeit der Weimarer Republik war von vielen Wahlen geprägt: In den Jahren von 1920 bis 1933 fanden acht Reichstagswahlen, zwei Reichspräsidentenwahlen, mehrere Volksentscheide sowie einige Wahlen auf Landesebene statt.

Hohe Wahlbeteiligung

Trotz dieses "Marathons" war die Wahlbeteiligung mit durchschnittlich ca. 80% beachtlich hoch. Die Beteiligung bei den Reichstagswahlen schwankte zwischen 75,6 % bei der Wahl zum 4. Reichstag am 20.5.1928 und  88,8% bei der Wahl zum 8. Reichstag am 5.3.1933.

Womit sich diese hohe Wahlbeteiligung erklären lässt, ist nicht eindeutig. Es dürfte jedoch eine Rolle gespielt haben, dass Frauen erstmals in der deutschen Geschichte auf Reichsebene wählen durften und das Wahlalter auf 20 Jahre herabgesetzt wurde. Außerdem ergab sich durch neue Parteien wie die KPD oder die NSDAP ein neues Spektrum zu wählender Möglichkeiten. Im Reichstag waren in der Zeit der Weimarer Republik bis zu 15 Parteien vertreten. Gleichzeitig wurde von allen Parteien intensive Wahlwerbung betrieben. So gab es beispielsweise erstmals Wahlwerbung, die sich gezielt an Frauen richtete.

Die Wahlergebnisse für die einzelnen Parteien schwankten zum Teil sehr, und die Bildung von stabilen Regierungen gestaltete sich schwierig: Vom Kabinett Scheidemann im Februar 1919 bis zum Kabinett Hitler im Januar 1933 gab es insgesamt 21 Kabinette bzw. Regierungen. 

Der Wahlmarathon 1919 - 1933 im Einzelnen

Zunächst wurde am 19. Januar 1919 die verfassunggebende Deutsche Nationalversammlung gewählt. Als stärkste Kraft ging die SPD aus der Wahl hervor und bildete mit dem Zentrum und der DDP die sogenannte „Weimarer Koalition“.

Bereits anderthalb Jahre später folgte am 6. Juni 1920 die Wahl des ersten frei gewählten Reichstags der Weimarer Republik. Durch die prozentuale Zersplitterung der Parteien gestaltete sich die Regierungsbildung äußerst schwierig. Letztendlich einigten sich die Parteien auf die Bildung einer Minderheitsregierung aus Zentrum, DVP und DDP unter Reichskanzler Constantin Fehrenbach (Zentrum).

1924 fanden innerhalb eines Jahres gleich zwei Reichstagswahlen statt, da die nach der zweiten Reichstagswahl am 4.5. 1924 gebildete Minderheitsregierung unter dem Zentrums-Politiker Wilhelm Marx nicht gegen die Opposition regieren konnte und der Reichstag aufgelöst wurde. Die Neuwahlen im Dezember 1924 führten zu einer vorübergehenden politischen Stabilisierung und einer Regierungsbildung unter dem parteilosen Hans Luther.

Im Folgejahr 1925 wurde nach dem überraschenden Tod des Reichspräsidenten Friedrich Ebert in zwei Wahlgängen der neue Reichspräsident Paul von Hindenburg ebenfalls vom Volk gewählt.

Im Frühjahr 1928 löste Reichspräsident Hindenburg den Reichstag vorzeitig auf, da die amtierende Regierung unter Reichskanzler Wilhelm Marx (Kabinett Marx IV) wegen des Streits über ein neues Schulgesetz auseinandergebrochen war. Aus den Neuwahlen im Mai 1928 ging die SPD als stärkste Kraft hervor. Die Wahlbeteiligung fiel mit 75,6% jedoch vergleichsweise niedrig aus.

Bereits zwei Jahre später wurde der Reichstag erneut aufgelöst. Auslöser war die Aufhebung einer Notverordnung des Reichspräsidenten Hindenburg, die einen zuvor vom Reichstag abgelehnten Gesetzesentwurf zur Deckung des Defizits des Reichshaushalts durchsetzen sollte. Aus der folgenden Wahl zum 5. Reichstag am 14.9.1930 ging die NSDAP nach der SPD als zweitstärkste Partei hervor.

Das Jahr 1932 brachte gleich mehrere Wahlen mit sich. Im März 1932 lief die siebenjährige Amtszeit des parteilosen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg ab. Im ersten Wahlgang am 13. März 1932 erreichte keiner der Kandidaten die benötigte absolute Mehrheit. Am 10. April 1932 wurde Hindenburg, dessen einziger wirklicher Konkurrent Adolf Hitler für die NSDAP gewesen war, im zweiten Wahlgang mit 53% der Stimmen wiedergewählt.

Im Juni 1932 ließ Hindenburg auf Bitten des neuen Reichskanzlers Franz von Papen den Reichstag auflösen, da die Mehrheit der im Reichstag vertretenen Parteien der neuen Regierung ihre Unterstützung verweigerte. Der folgende Wahlkampf gilt aufgrund massiver Ausschreitungen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten als blutigster Wahlkampf der Weimarer Republik.

Die Wahlbeteiligung bei der Reichstagswahl im Juli 1932 war mit 84,1%  die höchste seit Bestehen der Republik. Davon profitierte vor allem die NSDAP, die mit 37,3% zur stärksten Partei im Reichstag wurde. Das Wahlergebnis war ein schwerer Schlag für die Republik. Die extremen Parteien NSDAP und KPD bildeten nun eine negative Mehrheit im Parlament und blockierten die Regierung. Infolgedessen löste Hindenburg den Reichstag im September wieder auf.

Bei der darauf folgenden Reichstagswahl am 6. November 1932 verlor die NSDAP ca. 4% ihrer vorherigen Stimmen. Da keine mehrheitsfähige Regierung zu Stande kam, regierte fortan Kurt von Schleicher als Reichskanzler mit einem Präsidialkabinett.. 

Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 löste Reichspräsident Paul von Hindenburg den Reichstag am 1. Februar 1933 erneut auf. Die Wahlen am 5. März 1933 können nicht mehr als freie Wahlen betrachtet werden, da die NSDAP zunehmend diktatorische Mittel einsetzte. Trotz der Verfolgung der Linksparteien konnten diese zusammen 30,6% erreichen. Allerdings wurden die Mandate der KPD annulliert und die SPD kurze Zeit später verboten. Die NSDAP verfehlte mit 43,9% die erhoffte absolute Mehrheit. Die Wahlbeteiligung bei der vorerst letzten Wahl der Bürger der Weimarer Republik lag bei 88,7%.