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Märzkämpfe 1919

  • Weimarer Republik (1918-1933)

Seit Jahresende 1918 befand sich die Revolution in einer zweiten Phase, die von gewalttätigen Auseinandersetzungen und Streiks in verschiedenen Regionen des Reichs geprägt war.
Im März 1919 wurde Berlin zum Zentrum der Auseinandersetzungen. Am 3. März begann ein Generalstreik der Berliner Arbeiterschaft, der von Anhängern der KPD auch nach offizieller Beendigung des Streiks am 8. März 1919 fortgeführt wurde und zu einer bewaffneten Auseinandersetzung mit Polizei und Regierungstruppen führte. Ziele der KPD waren u.a. die Anerkennung und Absicherung der Räte und die Demokratisierung des Militärs.

Bereits am 3. März wurde der Ausnahmezustand über Berlin verhängt. Schon an diesem Tag kam es zu ersten Unruhen, die in den folgenden Tagen eskalierten. Nach schweren Kämpfen v.a. am Alexanderplatz und in Lichtenberg zwischen linken Kräften und Angehörigen der republikanisch-revolutionären Volksmarinedivision einerseits und den Regierungstruppen sowie Freikorps andererseits, gab Reichswehrminister Noske am 9. März 1919 den Befehl aus, dass jeder, der mit einer Waffe in der Hand gestellt wurde, sofort zu erschießen sei. Auslöser für den Befehl war eine Falschmeldung in verschiedenen Zeitungen, nach der mindestens 60 Polizeibeamte im Lichtenberger Polizeipräsidium ermordet worden seien.

Am 13. März 1919 rechtfertigte sich Noske für sein Vorgehen in einer Rede vor der Nationalversammlung und beschuldigte u.a. die Presseorgane „Rote Fahne“ und „Freiheit“ der Aufwiegelung. In der mehrfach dokumentierten Rede zitierte Noske selbst den Wortlaut seines Befehls vom 9. März 1919.

In der Kabinettsitzung vom 18. März 1919 nahm Reichsjustizminister Otto Landsberg Bezug auf einen Artikel in der „Freiheit“ vom 18. März 1919, nach dem der Schießbefehl verschärft worden war durch einen Befehl der Garde-Kavallerie-Schützen-Division, der die Erschießung bewaffneter Zivilisten, die sich nicht unmittelbar an Kämpfen beteiligten, erlaubte. Dieser Befehl liegt nicht als Quelle vor, allerdings wird auf ihn auch in der Sitzung der Nationalversammlung vom 27. März 1919 Bezug genommen.

Die gewalttätigen Kämpfe, die von den Regierungstruppen auf Grundlage des Befehls von Noske in aller Härte geführt wurden, kosteten ca. 1200 Menschen das Leben. Unter den Opfern waren auch der Führer der KPD, Leo Jogiches, und Matrosen der Volksmarinedivision. Der sogenannte Schießbefehl Noskes wurde erst am 16. März 1919 außer Kraft gesetzt.

Über Berlin hinaus kam es zwischen Ende 1918 und Anfang Mai 1919 auch in verschiedenen anderen Regionen zu Streiks, Unruhen und bewaffneten Kämpfen, so u.a. in Bremen, Hamburg, München und den west- und mitteldeutschen Bergbaurevieren. Die Meldungen der Informationsstelle der Reichsregierung über die Lage in Deutschland, die im Bundesarchiv im Bestand R 1501 Reichsministerium des Innern vorliegen, belegen die regionale Ausbreitung und die zeitlich unterschiedlichen Abläufe der Unruhen deutlich.

Gleichzeitig zeigen die Protokolle der Kabinettsitzungen, die im Bestand R 43 I Reichskanzlei vorliegen, dass die Kämpfe und die Toten im März 1919 in Berlin dort kaum thematisiert wurden.